Tagebuch einer Betrogenen – Autorentage mit J.R. König

Herzlich Willkommen zum dritten Beitrag zu »Sündige Leidenschaft« von J.R. König.

Autorentage J.R. König

Gestern konntet ihr bei Leben mit Büchern das Buch und die Protagonisten kennenlernen, vorhin ging es bei Leseschnecken um das Thema Affäre trotz Beziehung. Heute bzw. jetzt geht es weiter mit: Tagebuch einer Betrogenen.

Ich habe eine Freundin, in ihrer Beziehung ist es passiert, ähnlich wie Jamie in »Sündige Leidenschaft« hatte ihr Partner monatelang eine Affäre. Sie hat sich mir kurz nach seiner Offenbarung anvertraut. Für diesen Beitrag hat sie mir ein paar Fragen beantwortet und Auszüge ihres Tagebuchs aus der Zeit direkt nach seinem Geständnis zur Verfügung gestellt.
Ihren Namen werde ich natürlich nicht nennen.

„Ekel. Hass. Wut. Enttäuschung. Ich. Die Welt. Er. SIE. Ich. Nichts.“
Beginn, 1. Eintrag nach dem Geständnis

Meine Freundin und ich treffen uns in einem Café eines anderen Bezirks, nicht da, wo wir wohnen oder wir gerne hingehen. Es ist ein neutraler Ort, den wir nach unserem Gespräch nicht wieder besuchen werden.
Wir setzen uns und bestellen: Cappucino für sie, heiße Schokolade ohne Sahne für mich.

Ich: „Danke, dass du dieses Gespräch mit mir führst und meine Fragen beantworten willst.“
Sie: „Gerne, sprechen hilft, habe ich gelernt.“
Ich: „Ok, wollen wir einfach anfangen?“
Sie: „Ja, lass uns das schnell hinter uns bringen.“
Ich: „Gut, dann versuche ich ganz vorne anzufangen: Wann und wie hast du erfahren, dass dein     Partner untreu ist?“

Sie guckt auf ihre Hände, die sie ineinander verschlungen hat und knetet.

Sie: „Ich glaube geahnt habe ich es schon länger, aber ich war mit meinem Leben so beschäftigt… Du weißt schon: Job, Uni, Sport,… Ich wollte mich dem Gedanken, dass etwas nicht stimmt, nicht stellen. Ich hatte gehofft, das verschwindet wieder…
Aber am 9. Dezember konnte ich nicht mehr. Wir haben ständig gestritten und es war klar, jetzt muss alles auf den Tisch, sonst ist das mit uns vorbei.“
Ich: „Und da hat er es dir gesagt?“
Sie: „Nein, ich hatte eine Person im Auge, immerhin haben sie ständig, also gefühlt immer, miteinander geschrieben. Ich habe ihn direkt nach ihr gefragt. Erst hat er es geleugnet, aber später war er dann ehrlich. Sie hatten seit mehreren Monaten eine Affäre. Sex, Zeit, Kurzurlaub, ausgehen mit gemeinsamen Freunden.
Sie hatte schon mehrfach Schluss gemacht, wollte eigentlich mehr von ihm, aber durchgezogen hat sie es nie. Und er… er wusste nicht genau, was er wollte. Oder wollte beides.
Aber sie hätten es beendet, hat er gesagt. Er wolle, dass das mit uns wieder gut wird. So wie früher.“

„Ich fühle mich roh, als hätte ich keine Haut mehr und alles tut weh.“
Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „Was hast du in diesem Moment gefühlt? Was ging in dir vor?“
Sie: „Nichts. Ich war leer. Nicht überrascht, nicht verletzt, nicht wütend. Einfach nur leer und sehr müde. Alles andere kam erst einen Tag später: Wut. Ekel. Hass. Abscheu. Verachtung. Trauer. Schmerz. Enttäuschung. Ich wusste nicht wohin mit all den negativen Gefühlen, also habe ich das Tagebuch angefangen. Ich führe sonst kein Tagebuch.
Heute sind mir manche Dinge unangenehm, die ich über sie und ihn geschrieben habe, aber die Gefühle mussten irgendwie raus, sonst wäre ich geplatzt. Und all diese gemeinen Sachen aufzuschreiben, war wirklich sehr befreiend.“

„Und er hat sie in mein Zuhause geholt. Irgendwo mit ihr Sex gehabt. Welche meiner Sachen muss ich verbrennen? Was hat die F… angefasst?“
Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „Ich durfte die betreffenden Seiten aus deinem Tagebuch lesen. Was war das schlimmste an seiner Affäre?“
Sie: „Die Frage ist nicht ‚war‘, sondern ‚ist‘. Wir arbeiten zwar an uns, aber sie ist immer noch da, will ihn zurück und er weiß nicht, was er will oder zieht zumindest nicht die Konsequenzen, die ich gerne hätte.“
Ich: „Du bleibst also bei ihm?“
Sie: „Wir schauen, ob wir es wieder hinkriegen. Verrückterweise. Ich weiß, wäre das einer Freundin passiert, hätte ich ihr geraten zu gehen, ihn hinter sich zu lassen und ihr leben neu zu gestalten. Aber das ist nicht das, was ich will. Ich weiß, das ist nicht rational oder nachvollziehbar, aber es ist das, was ich will. Ich will herausfinden, ob wir wieder als Paar funktionieren können.“

„Ich gucke in den Spiegel und ekel mich vor mir selbst.
‚Guck dir die Dicke an, die sich so demütigen lässt! Armselig.'“
Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „In den ersten Tagen nach seinem Geständnis, habe ich in deinem Tagebuch immer wieder gelesen „Ich habe kein Zuhause mehr“, was meintest du damit?“
Sie: „Er hat mich auf die schlimmste weise hintergangen. Er hat sie in unsere Wohnung geholt, in mein Auto gesetzt, ist mit ihr zu unserem Urlaubsort gefahren, hat sie seinen Bruder und besten Freund vorgestellt. Das ist unglaublich verletzend und ich fühle mich teilweise immer noch wie eine Fremde in der Wohnung. Sollten wir das wieder hinbekommen, müssen einige Möbelstücke weg. Dann will ich einen neuen Anstrich.“

„Ich hoffe, die bleibt immer alleine oder findet jemanden,
der sie so hintergeht. Verdient hat sie nur noch Schlechtes.
Gefühle kann man nicht steuern, aber was man letztendlich tut
schon. Stirb einsam Schl….!“
Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „Wie standest du direkt nach seinem Geständnis zu den beiden und wie ist das jetzt? Wer ist Schuld?“
Sie: „Puh. Ich weiß, dass die beiden Schuld sind. Klar lief die Beziehung mit meinem Partner gerade nicht so gut und daran war ich nicht unschuldig, aber gibt es nicht immer Höhen und Tiefen? Ich habe mich ja auch nicht umgesehen, sondern gedacht, das wird wieder. Direkt danach… ich habe SIE gehasst wie die Pest, ich habe generell eine negative Einstellung zu Frauen, die sich Männern in Beziehungen nähern. Die haben nichts anderes verdient, als dabei verletzt zu werden. Vor allem, wenn sie sich nicht mit ihrer Rolle als „die Andere“ zufrieden geben können – mir ist natürlich bewusst, dass da immer zwei dazugehören und der Partner in einer Beziehung ‚Nein‘ sagen sollte.
Von ihm war ich maßlos enttäuscht und tief verletzt. Bis dato habe ich mich immer auf eine Sache verlassen: Uns. Und das hat er mir genommen. Ich hoffe, wir können das wieder erreichen, aber das wird viel Zeit und Arbeit brauchen…..“
Sie schaut traurig, dreht ihren Ring.
Sie: „Vielleicht erreichen wir das aber auch nie wieder.“

„Hätte er nicht einfach so fair sein und vorher mit mir Schluss
machen können?“

Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „Nachdem schon etwas Zeit vergangen ist, wie geht es dir und euch jetzt? Vertraust du ihm wieder?“
Sie: „Sie ist immer noch da. Erst wollte sie nichts mehr von ihm wissen. Ich habe sie kontaktiert und einige ihrer Annahmen, mit denen sie sich ihre Affäre schön geredet hat, aufgehoben. Sie dachte, wir schlafen in getrennten Betten – und er hat nichts gegen diese Annahme unternommen- mit der Begründung, dass sie dann „einen Film schiebt“ und nicht damit klar kommt. Ja genau, warum sollte man als Affäre auch damit klarkommen, dass man nur die Geliebte ist und die Freundin noch mit ihrem Partner das Bett teilt???!!!?? pfffft!
Eigentlich wollte sie nichts mehr von ihm wissen, aber jetzt hat sie es sich wohl anders überlegt, schickt ihm Päckchen und Postkarten. Regt sich bei ihm über meinen WhatAspp Status auf…
Das bisschen Mitgefühl, was ich für sie hatte ist weg. Sie ist -bitte verzeih die Wortwahl- einfach nur ein weiteres hinterhältiges Miststück, das nicht darüber nachdenkt oder dem es egal ist, dass ihre Anwesenheit unangebracht ist. Sie weiß immerhin, dass wir an uns arbeiten. Aber sie will ihn und kämpft mit allen Mitteln, denke ich. Leider spricht mein Partner kein Machtwort, zieht immer noch nicht alle Konsequenzen. Oder will das gar nicht. Das Warum kann ich nur vermuten… Mich macht das traurig und es verletzt mich schon.  Wir werden sehen, wohin das alles führt.
Vertrauen, puh. Sagen wir mein Misstrauen ist gerade Größer. Trotzdem versuche ich ihn nicht einzusperren oder zu kontrollieren. Das klappt mal besser und mal schlechter. Ich meine, ich kann ihn sowieso nicht permanent kontrollieren, damit mache ich nur mich und ihn wahnsinnig. Wenn ich möchte, dass das wieder wird, muss ich wohl in Vorlestung gehen. Ich hoffe, dass er das zu würdigen weiß und nicht wieder ausnutzt.“

„Manchmal ist das alles ganz weit weg, manchmal spüre ich nichst.
Dann muss ich gucken, ob ich überhaupt noch Schmerz empfinden kann.“
Tagebuch einer Betrogenen

Ich: „Puh, das ist ein starkes Stück. Ich hätte das zu jetzt einen Ratschlag, aber wie ich gerade erst in der Vorbereitung auf unser Treffen gelesen habe, sind auch Ratschläge eben Schläge.
Ich hoffe du findest deinen Weg, ob allein oder zusammen mit deinem Partner. Und ich bin für dich da.
Danke, dass du so ehrlich zu mir warst und ich das Interview veröffentlichen darf.“
Sie: „Danke, dass du mich nicht verurteilst.“

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich kann mich bei niemanden
auskotzen, denn dann stellen sie die Frage, die ich mir nicht beantworten kann:
‚Wieso zum Henker sind meine Koffer nicht schon gepackt?‘
Tagebuch einer Betrogenen

Nach dem Interview haben wir das Café verlassen und haben uns ein bisschen Wellness gegönnt. Nach der harten und emotionalen Arbeit, hat das meiner Freundin und mir gut getan.


Gewinnspiel

Preise Autorentage

So geht’s: Es kann bei jedem Beitrag ein Los gesammelt werden, indem die individuelle Frage beantwortet wird.

Gewinnspielfrage: Wie würdet ihr mit einer/m (also eurer/n) untreuen Partner/in umgehen?

Teilnahmebedingungen:
Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einverständniserklärung der Eltern.
Versand nur innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für den Postversand wird keine Haftung übernommen.
Das Gewinnspiel endet am 19.03.2017 um 23:59 Uhr. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt man sich im Gewinnfall bereit, öffentlich namentlich am Ende der Blogtour genannt zu werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Keine Barauszahlung des Gewinnes möglich.
Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung mit Facebook und wird nicht von Facebook organisiert.

Der andere Beitrag von Heute:  Leseschnecken –  »Sündige Leidenschaft« :Affäre trotz Beziehung
Weiter geht es morgen früh mit »Königin der Nacht«: Das Buch und die Protagonisten bei Chrissi die Büchereule


Autorentage Übersicht

 

12 Gedanken zu “Tagebuch einer Betrogenen – Autorentage mit J.R. König

  1. Saskia Kämena schreibt:

    Ich hätte das Vertrauen verloren…
    Ein Ausrutscher Okay, da kann man noch dran arbeiten und vielleicht verzeihen aber das braucht Zeit.
    Aber ein längerer Zeitraum und lange Affäre… Nein… Die Beziehung wäre vorbei und ich hätte Schluss gemacht.

    Liebe Grüße, Saskia Kämena

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  2. Hellgrit schreibt:

    Tja, ich glaube nicht, dass man das verallgemeinern kann. Alle Umstände sind anders. Nie ist nur einer in der der Beziehung schuld. Oder die beiden, welche betrügen. Man muss immer auch bei sich selbst suchen. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich meinen (nicht vorhandenen derzeit) Partner verlassen würde. Und was jetzt nicht funktioniert, tut es vielleicht bei einem anderen Mal.

    Gefällt mir

  3. jenny siebentaler schreibt:

    Mit sowas würde ich mich nicht lange rumschlagen wollen und ganz schnell sagen wie es läuft und ihn ganz schnell weg schicken und das am besten für immer!
    VLG Jenny

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  4. Stefanie Aden schreibt:

    Hallo

    Es wäre für mich ein totaler Vertrauensbruch und die Beziehung wäre somit beendet.
    Ich hätte es immer im hinterkopf, das er nochmal eine Affäre anfangen würde.

    LG Stefanie

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  5. Katja schreibt:

    Hallo und vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Ich würde sofort die Flucht ergreifen. Wer einmal betrügt, ist auch sonst nicht ehrlich. Und Vertrauen ist in einer Partnerschaft das A und O.

    Herzliche Grüße
    Katja

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