Blogtour „Verlorene Seelen – Die Legende der Genii“ von Julia Sypke

banner-blogtoure-verlorene-seelen-julia-sypkeHerzlich Willkommen zu Tag 3 unserer Blogtour
„Verlorene Seelen“ von Julia Sypke

◊ Ein Tag Als Gargoyle ◊

Ha… ha… hatschiii…

„Nein! Nicht jetzt! Scheiß Steinschnupfen!“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie ein kleiner Mensch mitten in der Bewegung innehält und mich anstarrt. Upsi, habe ich das jetzt laut gesagt???
„Mama? Maaaaamaaaa? Maaaaaammmmmmmmaaaaaaaa?!?!? Tinkerbell hat mit mir gesprochen!?!“, wild gestikulierend und einen Tick hysterisch rennt das Mädchen von der kleinen Seebucht an der Grundstückgrenze weg in Richtung der protzigen Vorstadtvilla.
Jap, ich habe wohl wirklich laut gesprochen.
Auch wenn das ein Verstoß gegen den allheiligen Gargoyle-Kodex war, konnte ich mir ein kurzes Grinsen nicht verkneifen.

„Du bringst uns noch irgendwann in ganz große Probleme, Tinks.“, seufzt der Steinzwerg neben mir. „Nenn mich nicht so!“, gebe ich angesäuert zurück. „Du weißt ich hasse diesen Namen, Zwerg! Ich bin doch keine kleine zierliche, stumme Fee, die brav ihrem Menschlein folgt! Und. Ich. Kann. Nicht. Fliegen!“, ich hasse diesen Namen wirklich. Auch wenn ich mich an dunklen Winterabenden oft heimlich auf die Veranda schleiche und hoffe, dass die Kinder wieder einen Disney-Film gucken – gerne auch den Film mit diesem fligenden Jungen, nachdem sie mich benannt haben.
„Tinks, reg dich ab. Freu dich lieber, dass du rechtzeitig zum sechsten Geburtstag der Zwillinge wieder da bist!“, Zwerg grinste gehässig, dabei musste er doch selbst den Tag hier überstehen.
„Ist nicht dein Ernst?!?!“, stöhne ich genervt. Die Zwillinge waren so schon furchtbar verzogene Gören, aber an ihren Geburtstagen – so wenig es bisher auch waren – waren die beiden nervtötend. Aufgekratzt und ohne Regeln tollen sie dann mit wahren Herrscharen an kleinen Monsterfreunden durch Haus und Garten, dabei gehen auch gerne mal Gargoyles zu Bruch. Ich werde nie vergessen, wie sie den armen Frosch mit seiner Kugeln von seinem Platz auf einem Baumstumpf geworfen haben, weil sie sich nicht einigen konnten, wer zuerust mit ihm spielen darf.
Während ich mal wieder darüber grübel, warum ich eigentlich noch immer nicht von hier verschwunden bin, merke ich, wie mich Zwerg neugierig beäugt. Als er sieht, dass er meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, setzt er zu einer Frage an: „Tinks, von wann kommst du gerade?“ Die naive Frage eines Gargoyles, dem bisher der Steinschnupfenersspart geblieben ist.
„Ach Zwerg, es war toll. Die Villa stand noch nicht und über der Stadt gab es Nachts keinen Lichtschein. Das Jahr kann ich dir gar nicht nennen. Oder überhaupt die Epoche eingrenzen, aber es war definitv die Vergangenheit und es muss vor der Erfindung oder Verbreitung der Elektrizität gewesen sein. Du weißt gar nicht, wie viele Sterne ich über unserem Plätzchen hier sehen konnte.“ Ich schwelge kurz selig in Erinnerungen und auch der Zwerg ist ruhig – ob er sich gerade vorstellt, was ich gesehen habe? „Und“, setze ich wieder an, „wusstest du, dass es auf der anderen Seite des Sees mal einen hohen Steinturm gegeben hat?“
„Nein! Hast du ihn dir angesehen?“, neugierig beugt sich Zwerg etwas zu mir vor. Ich sehe ihn warnend an, immerhin kann er jederzeit von der Veranda aus gesehen werden. Was, wenn ihn genau jetzt jemand so sieht? Einen Steinzwerg, der sonst stocksteif gerade steht und sich plötzlich leicht zur Seite beugt? Nicht gut – allheiliger Gargoyle-Kodex und so.
Schnell richtet sich der Zwerg wieder auf. Zufrieden, dass er wieder in seiner Position steht, erzähle ich ihm mehr von meinem Abenteuer in der Vergangenheit: „Natürlich habe ich mir den Turm angesehen. Merkwürdigerweise hatte er gar keine Tür! Zum Glück war er aus Stein und ich konnte ganz bequem daran hoch klettern. Das Fenster ganz oben war nur angelehnt – aber leider durch eine davor lehnende Pfanne ‚gesichert‘.“
Ich verziehe kurz den Mund, als ich an den Moment denke, in dem Pfanne auf den Boden traf, ein Mädchen in einem Bett hochschreckte und mich in ihrem Fenster stehen sah – vornüber gebeugt, um der Pfanne hinter zu sehen und den Kopf gehoben, weil das Mädchen sich ruckartig bewegt hat.
Der Zwerg sieht mich kurz an, bis er die Augen aufreißt und dann schokiert-beeindruckt pfeift. „Sie hat dich gesehen?!?“ Ich nicke als Antwort auf die Frage vom Zwerg. „Und? Ist sie durchgedreht? Zu Asche verbrannt? Was ist passiert? Du hast gegen den Kodex verstoßen. Muss jetzt nicht oder musste damals nicht IRGENDWAS passieren?“ Der Zwerg weiß immer noch nicht, ob er eher neugierig oder doch schockiert sein soll.
Ich hole kurz Luft, bevor ich ihm antworte: „Nichts.“ „Wie ’nichts‘?“, der Zwerg ist doch definitiv mehr neugierig als schockiert.  „Na ja, Zwerg. Das Mädchen hat meine Existenz verdammt gut verkraftet. “ Als ich an die Zeit mit Susanna in ihrem Turm zurück denke, muss ich kurz lächeln – bis mir wieder einfällt, in welcher Situation der Steinschnupfen mich aus ihrer Zeit gerissen hat.
„Susanna, das Mädchen im Turm, hat an ihren Tag nie viel zu tun gehabt, wenn sie mit Aufräumen und ihrer langwierigen Haarpflege durch war, hat sie die wenigen Bücher in ihrem Turmzimmer gelesen, Zwerg. Ich glaube, um ihrer Langeweile zu entgehen, kam ich ihr gerade Recht.“
„Langwierige Haarpflege?“, komisch, dass der Zwerg ausgerechnet da nachhakt.
„Ja. Susanna hat … hatte sehr, sehr lange Haare. Immer, wenn jemand vor dem Turm nach ihrem Haar verlangt hat, hat sie es herunter gelassen und die Person ist raufgeklettert!
Ich habe mich dann natürlich immer versteckt – auch wenn ich der alten Schachtel, die Susanna am häufigsten besucht hat, gerne ab und an mal eine Ohrfeige verpasst hätte. Man, war die fies zu Susanna. Die Alte hat sie schamlos ausgenutzt.
Am liebsten mochte ich den jungen Mann, der sich als Prinz vorstellte und nächtelang um Susanna geworben hat. Zwerg, ich sage dir, dem war es ernst. Vermutlich ließ Susanna mich deshalb schmiere stehen, wenn sie anderen … äh ‚Besuch‘ hatte. Mit meinen guten Augen konnte ich ja auch Nachts gucken, ob der Prinz wieder im Anmarsch war oder jemand anderes.“

Zwerg steht neben mir, guckt mit mir auf den See hinaus, runzelt die Stirn, sagt aber kein Wort. Hm. Ungewöhnlich. Als der Zwerg auch nach mehreren Minuten das Schweigen nicht bricht, erzähle ich weiter: „Ich hab Susanna wirklich gern. Sie hat mir viel erklärt und ich konnte mich stundenlang mit ihr unterhalten.“ Ich mache wieder eine Pause.
„Also doch ein Menschlein, dem du folgst, Tinks?“, zieht der Zwerg mich auf. Als er merkt, dass ich nicht auf sein Kommentar eingehe, guckt er mich ernst an: “ Was ist passiert, Tinks?“

Könnte ich weinen, ich glaube, jetzt wäre es soweit. Ich schaue weiterhin auf dem See, die fröhliche und laute Kindergeburtstagsparty, die mittlerweile hinter uns in vollen Gange ist und unser Gespräch zum Glück übertönt, blende ich dabei aus. „Susanna hat sich verliebt, Zwerg. Erst wollte sie keinen anderen Besuch mehr außer den Prinzen und dann wollte sie fliehen.
Ich wollte ihr helfen, aber die Alte hat sie erwischt. Sie hat Susanna gedroht und ist gerade auf sie losgegangen, als der Steinschnupfen mich erwischt hat. Ich wollte ihr helfen! Ich wollte dazwischen gehen! Ich… ich… ich weiß nicht einmal, was mit Susanna passiert ist. Oder ob es ihr gut geht. Gut ging, danach.“

Traurig schließe ich meine Augen und seufze. Zwerg sagt eine ganze Weile gar nichts und jeder hängt seinen Gedanken nach. Bis Zwerg plötzlich doch etwas sagt: „Rapunzel.“
„Was?“, ich war gerade ganz tief in Gedanken. „Zwerg, das ist jetzt kein guter Zeitpunkt für deine heiß geliebten Märchen.“
„Denk doch mal nach, Tinks. Der Turm. Keine Tür. Lange Haare. Die böse Alte. Und der Prinz. Klingt für mich ganz danach, als wäre die Geschichte von Susanna die Vorlage für das Märchen um Rapunzel!“ Zwerg ist plötzlich ganz aufgeregt.
„Und?“, ich blinzel Zwerg an, keine Ahnung, worauf er hinaus will. „Mensch Tinks, wenn wir wissen, wie das Märchen ausgeht, erfahren wir vielleicht, wie es Susanna ergangen ist!“ Zwerg hat mir -am hellichten Tag! Wenn das die Kinder sehen!- den Kopf zugedreht und ist ganz aufgeregt.
„Wir?“ frage ich. Zwerg und ich gehören zu den Gargoyles, die eigentlich immer in ihrem Bereich bleiben, obwohl wir auch woanders hin könnten. Aber bisher haben wir uns nicht getraut.
„Ich …“, als ich Zwerg gerade sagen will, wie bescheuert seine Idee ist, zwei kleine Gargoyles auf dem Weg in die große weite Welt, trifft mich von hinten ein Fußball, prallt ab und rollt wieder davon. Hätte ich nicht jahrelange Übung zu Stein zu erstarren, ich wäre wohl in den See gefallen. Und dann gute Nacht! Oder hat schon mal wer Stein schwimmen sehen?!

„Heute Nacht?“, frage ich Zwerg.
„Heute Nacht.“, nickt Zwerg und grinst. Ich grinse auch. Lasst das Abenteuer beginnen, jetzt erobern Zwerg und Tinks die Welt!

Vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, meinen Beitrag wirklich zu lesen und durchgehalten haben! 🙂
Die obige Geschichte ist frei erfunden und taucht so nicht in „Verlorene Seelen – Die Legende der Genii“ von Julia Sypke auf. Meine Gargoyles sind aber den Geschöpfen von Julia Sypke nachempfunden und können weder mehr noch weniger als Greif-Gargoyle Max und seine Begleiter. 

Gewinnspiel

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1. Preis: 1 signiertes Taschenbuch
2+3 Preis: 1 eBook im Wunschformat

So geht’s
Beantworte täglich die Gewinnspielfrage in den Kommentaren des Beitrags und sammel ein Los für das Gewinnspiel.

Gewinnspielfrage
Was (Epoche, Ereignis…) würdest du gerne erleben wollen, wenn du einen Tag lang ein Gagoyle sein und den Steinschnupfen steuern könntest?

Die Teilnahmebedinungen findest du hier.
Ende des Gewinnspiels: 14.11. um 23:59 Uhr


Stationen der Blogtour

9.11. Gargoyles – mehr als nur Wasserspeier
bei Christian von Bluebutterfly Bücherblog

10.11. Wenn morgen gestern und gestern übermorgen ist
bei Nadja von Bookwormdreamers
11.11. Ein Tag als Gargoyle
bei mir 🙂
12.11. Todeszeitpunkt bekannt – Todesart unbekannt
bei Benny von Bücherfarben
13.11. Der Narr plaudert aus – Interview über die Autorin
bei Jaqueline von Phinchens Fantasyworld

Gewinnerbekanntgabe


Hallo ihr Lieben,
leider ist unsere Tour zu „Verlorene Seelen“ von Julia Sypke schon wieder zu Ende, aber wir möchten uns herzlichen bei euch für euer Interesse und eure zahlreiche Teilnahme bedanken. Wir hoffen, dass es euch genausoviel Spaß gemacht hat wie uns und freuen uns schon auf die nächste Tour mit euch.

Vorher haben wir aber natürlich auch noch ein paar Gewinner für euch.

Taschenbuch: Norbert Schimmelpfennig
Je ein eBook im Wunschformat: Cassie Blatt & Anni Oettershagen

Herzlichen Glückwunsch! Bitte schickt eure Adresse und das Wunschformat bis 22.11. per Mail an contact@spreadandread.de, damit ihr euren Gewinn erhalten könnt.

Einen schönen Start in die neue Woche und bis zum nächsten Mal
euer
Tourteam

10 Gedanken zu “Blogtour „Verlorene Seelen – Die Legende der Genii“ von Julia Sypke

  1. karin schreibt:

    Hallo und guten Tag,

    O.K. mein persönlicher Trip wenn ich zu einen Gargoyle mich verwandeln könnte.

    Wäre genau der Tag meiner Geburt, denn ich weiß ..leider nichts davon….wer ging mit ins Krankenhaus, wie ging es meiner Mutter vor…während und nach der Geburt…erste Gratulanten…wer war es usw.

    LG..Karin…

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  2. Jenny Siebentaler schreibt:

    Hallöchen 🙂
    ich würde als Gagoyle gerne mal die zeit mit erleben wie Frankenstein erfunden bzw. erschaffen wurde, weil ich das Ereignis einfach zu spektakulär finde!
    Oder als ein Freund von dem Buckligen von Notre Dame( Der Glöckner von Notre Dame) auch wenn dies alles nur Geschichten sind die nicht echt sind wäre es doch genial es so wie man es aus filmen und büchern kennt mit zu erleben! 🙂

    LG Jenny

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  3. Anni Oettershagen schreibt:

    Danke für deinen schönen Beitrag.
    Ich würde zuerst in die Zeit zurückreisen als meine Mama noch gelebt hat und den schönsten Tag unseres Lebens mit ihr verbringen.
    LG
    Anni

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  4. Sarina Ziemann schreibt:

    Ich würde gaaanz weit zurück reisen um zu erfahren, wer meine Vorfahren waren und was sie so gemacht haben (beruflich, charakterlich, etc) 🙂

    lG Sarina

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