#autorensonntag mit Rael Wissdorf

 

 

 


Rael Wissdorf
ist ein Multitalent. Er ist Musiker, Musikproduzent, Herausgeber und Autor. Seit früher Jugend schreibt er Geschichten, Romane und Essays. Seit 1999 erscheinen seine Werke bei verschiedenen Verlagen.

Ein Kurzportrait – intuitive Antworten

Lieber…
….eBook oder gebundenes Buch?
Bezogen auf eigene Veröffentlichungen? Dann immer beides. Bezogen aufs Lesen? Dann bevorzuge ich inzwischen das eBook. Ich liebe zwar Bücher als Objekte in meiner umfangreichen Bibliothek (Bücher sind der schönste Zimmerschmuck), aber ich bin in die Jahre gekommen und meine Augen werden schlechter. Das eBook ermöglicht mir schlicht mehr Lesekomfort

…Hund oder Katze?
Ich hatte 3 Hunde in meinem Leben, aber viel mehr Katzen. Ich mag also beide sehr gern, würde letztlich aber wohl der Katze den Vorzug geben. Wobei Hunde gesünder sind (man muss an die Luft).

…Tee oder Kaffee?
Den größten Teil meines Lebens habe ich nur Tee getrunken, und zwar richtigen Tee, nicht diesen Teebeutelmist, der mit Containerdreck befüllt ist. Ich hatte einen Samowar, der lief nonstop. Doch seit ca. 15 Jahren gibt es die Senseo Maschine, daher bevorzuge ich jetzt Kaffee, aber nur, weil das bequemer ist.

…roter oder grüner Wackelpudding?
Grün, auf jeden Fall!

Das Schreiben begann für mich…..
mit dem Lesen. Seit dem ersten Karl May Roman, den ich mit vier Jahren las, stand für mich fest, dass ich selbst schreiben würde. Den ersten größeren Text schrieb ich mit 11.

Ein Buch muss…
fesseln. Und zwar von der ersten bis zu letzten Seite.

Ein Kindheitstraum von mir war….
nach Kanada auszuwandern und Rettungsflieger zu werden.

Völlig unterschätzt wird….
der Anteil von Frauen an der technischen Entwicklung der Menschheit. Ach, Frauen überhaupt

Wenn ich Musik höre, dann…
werde ich entweder sentimental oder ekstatisch, je nach dem, was ich höre. Ich musste mir gewaltsam abgewöhnen, Filmsoundtracks während des Schreibens zu hören, weil meine Texte dann immer viel zu pathetisch wurden.

Ich habe eine seltsame Angewohnheit, nämlich…
morgens, noch bevor ich ins Bad gehe, den Computer einzuschalten. Egal, ob ich gleich was arbeiten will oder nicht, das Ding muss laufen. Es ist, wie die Jalousien hochzufahren, es muss „Licht in die Welt“.

Das Interview

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Du hast einen interessanten Lebenslauf Rael. Erst die Ausbildung zum Konzert- und Jazzgitarristen, dann die Drehbuchproduktion, dann Redakteur, Gründer ,     Webdesigner, Projektleiter, Entwickler und und und. Und natürlich Autor. Was hat Dir oder macht Dir immer noch am meisten Spaß davon?

 Am meisten Spass machte mir der Dreh meines magischen Krimis mit Eddie  Constantine 1984. Filmemachen fordert alle Talente und ist unglaublich               erfüllend, aber auch extrem anstrengend. Die Produktion meiner späten                              Machinimas (Animationsfilme in virtuellen Welten) haben ähnlich viel Spass                      gemacht,  vor allem, weil man da viel mit anderen Menschen zusammen-                            arbeitet.

Letztlich dann doch der Autor, dies aber nur in der Brainstorming- Ideenfindungs, – und Plottingphase. Alles, was danach kommt, ist harte Arbeit. Als nächstes dann gleich die Musik, wobei hier dasselbe gilt. Musik macht vor allem live auf der Bühne enormen Spass, da ich auch eine Rampensau bin. Letzteres verträgt sich leider gar nicht mit dem Beruf als Schriftsteller, dessen Einsamkeit mir oft zu schaffen macht.

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Welches Buch liest Du gerade bzw. hast Du zuletzt beendet?

Seit ca. 8 Jahren lese ich keine Romane mehr, der letzte war „Null“ von Adam Fawer. Ich lese fast nur noch Sachbücher, derzeit „Das elegante Universum“ von Brian Greene sowie die Bücher von Judas Aries, weil ich die Cover für ihn                    gestalte. Ansonsten kostenloses Zeugs für den Kindle.

logo blogWenn Du nicht gerade schreibst, wie verbringst Du Deine Zeit?


Freizeit oder überhaupt Zeit? Denn ich habe viele Verpflichtungen neben der Schreiberei. Meine Freizeit verbringe ich am liebsten in MMORPG’s (Online Games: The Secret World) oder ich schaue Serien (NCIS, Person of Interest,                          sowie Sitcoms wie Big Bang Theory, How I met your mother, Californication).                    Und natürlich verbringe ich viel Zeit mit Recherche im Internet, mit Social                            Networking oder ich spiele auf meinem Yamaha Piano.

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Dein/e Lieblingsautor/in ist…?

Jack London.

 

logo blogWenn Du eine Schreibblockade hast, gibt es dann etwas bestimmtes, das die Blockade löst?


Clustering mit Patchwork (Ein Schreibprogramm). Da spielt man dann mit Ideen rum, kriegt zwar nicht zwangsläufig auch Text aufs Papier, aber man hat zumindest das Gefühl, etwas „gearbeitet“ zu haben und vorangekommen zu                      sein.

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Hand auf’s Herz, Liegen bei Dir ungelesene Bücher rum? Und welches Buch liegt am längsten?

Es liegen immer Bücher rum, aber sie bleiben selten ungelesen. Derzeit liegt eine Biographie von Daniel Defoe herum, sowie „Schatten über Sanssouci“ von Oliver Buslau, sowie „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen. Letzteres                      aber nur, weil ich etwas nachsehen wollte, gelesen habe ich das vor Jahren.                        Am längsten liegt Baudrillards „Simulacra & Simulation“ herum, weil ich darin                  meine illegalen Softwaredrogen schmuggle. Nein, das war natürlich Quatsch,                    ich kapiere das Buch einfach nicht.

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Neben Deinen Büchern, welches Buch sollte Deiner Meinung nach jeder einmal gelesen haben?

„Die Biologie der Tugend“, von Matt Ridley. Das ist zwar kein Roman, aber das wichtigste Sachbuch zum Thema Ethik und Sozialverhalten überhaupt.

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Wie hat sich Dein Leben seit der Veröffentlichung von Shabu, deinem ersten Roman, verändert?
 
Wenig. Shabu wurde damals bei Veröffentlichung (1999) kaum wahrgenommen. Es gab ein paar Lesungen – eine davon in einem kleinen Theater an der Bergstrasse mit einer spektakulären Schwertkampfvorführung.                  Für mich selbst machte es natürlich schon einen gewaltigen Unterschied,                            denn es schenkte mir das Bewusstsein, jetzt ein „richtiger Autor“ zu sein.                              Von einem regulären Verlag mit Vorschuss und allem Drum und Dran                                    angenommen worden zu sein, gab mir Bestätigung und ermunterte mich,                            weiterzumachen, denn „ein Schriftsteller beginnt erst mit dem zweiten Buch“.

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Gibt es ein besonders schönes/lustiges/skurriles Erlebnis, das Du als Autor hattest?

Oh ja. 1984 schrieb ich bereits erste Outlines zum späteren „Shabu“. Eine Idee stach besonders hervor: der Held (damals noch ein Kommissar) befand sich auf der Autobahn und erfuhr, dass sich eine Bombe in seinem Auto befindet,                      die hochgehen würde, wenn er mit der Geschwindigkeit unter 100 geraten                          würde. Diese Idee war so klasse, dass ich sie natürlich auch noch in Shabu                          verwendete. Leider dauerte es bis zur Veröffentlichung so lange, dass                                    inzwischen der Film „Speed“ rauskam (1996) und der Lektor mir daher anriet,                    die Szene rauszunehmen, um Plagiatsvorwürfen aus dem Weg zu gehen. Das                    hatte mich sehr geärgert, daher behielt ich die Szene und änderte sie ab zu                        einem „Dennis Hopper Zitat“. Aber die Grundidee zu Speed stammt                                        verdammt nochmal von mir! (auch wenn die Macher das sicher nicht wissen,                      man nennt das Synchronizität).

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Bewegst Du Dich bevorzugt in bestimmten Genres wenn Du schreibst? Oder experimentierst Du auch gerne mal mit etwas Neuen?

Ich habe bisher verschiedene Genres bedient, und das war vielleicht auch ein Fehler. Ich habe Krimis geschrieben, einen Fantasy Roman, einen phantastischen Jugendroman, einen SciFi Roman, und hätte vielleicht stur                        bei den Krimis bleiben sollen. Gleichzeitig arbeite ich derzeit auch noch an                          einem historischen Roman. Dabei geht es mir weniger um das Genre, sondern                  die Ideen zwingen mich halt da rein. Es hängt also von der Idee ab, und                                davon, dass ich eine Idee nicht verwerfe, nur weil sie eventuell das falsche                          Genre hat.

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Welche bereits existierende Romanfigur hättest Du gerne aus Deiner Feder erschaffen? Und warum?

Zum einen aber eher sekundär: Mugridge, den Koch aus „Der Seewolf“ von Jack London. Das ist so ein erbärmlicher Loser, wie man ihn sich kaum besser ausdenken kann. Aber primär: Philip Marlowe. Wobei ich den heute vielleicht                    als weibliche Figur anlegen würde, da ich inzwischen ein starkes Faible für                          weibliche Hauptfiguren habe. Und natürlich rothaarig. Philip Marlowe                                    verkörpert für mich den einsamen und zynischen Helden, der sich eine starke                    moralische Grundhaltung bewahrt hat, ohne aber jemals moralisierend zu                          sein. Marlowe steht für starke Prinzipien, ist zu tiefer Freundschaft fähig und                        riskiert alles, um seinen Auftrag zu erfüllen. Dabei ist er selbst zerrissen und                        kaputt, kein strahlender Ritter, und erliegt auch mal einer Versuchung. Das                          alles macht ihn zu einer glaubwürdigen und doch überlebensgroßen Figur.                        Er dient als Vorbild, vor allem für Teenager – ich bin der Meinung, dass ein                          gutes Vorbild mehr positives in der Entwicklung junger Menschen bewirken                        kann, als 1000 Vorträge über Ethik und Moral. Gute Vorbilder schaffen gute                          Menschen, und das hilft der Welt.

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Gibt es einen Autor/Autorin der /die dich durch Deine Teenager Zeit begleitet hat?

Jack London, von dem ich wirklich alles gelesen habe. Er hat mich nicht nur literarisch stark beeinflusst, sondern auch weltanschaulich geprägt. Später war es dann Raymond Chandler, aber da war ich kein Teenager mehr.                                  Jack London habe ich übrigens später als Erwachsener „wieder entdeckt“ und                  er begeisterte mich noch genauso wie damals.

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Du produzierst ja auch Musik. Welches Deiner Lieder gefällt Dir am besten?

Eindeutig der Megacity Blues, vor allem der elegische erste und träumerische dritte Part. Und dann ist da noch der Song für Shara (On a smile), den ich auch sehr mag.


logo blogVielen Dank für den Einblick. 🙂 Natürlich wollen wir auch noch etwas mehr über Deine Bücher wissen.

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Wie lange hat es von der Idee zu Shabu bis zur Veröffentlichung gedauert?

Von der Idee bis zur Fertigstellung dauerte es ca. 2 Jahre, wobei ich ca. 1 Jahr sehr konsequent daran gearbeitet hatte. Bis zur Veröffentlichung dauerte es dann nochmal gute 5 Jahre. Das lag hauptsächlich daran, dass ich einige                            Jahre vergeblich hoffte, beim Eichborn Verlag unterzukommen, der mich aber                  zwischenzeitlich einfach „vergass“. Es wurde dann der Elefantenpress Verlag                      (heute Espresso), weil der damals neue Autoren für eine Krimi Reihe suchte.                        Insgesamt also gute 7 Jahre. Was zur Folge hatte, dass ich das Setting des                            Romans (Wendezeit 1989) ändern musste, was mich sehr ärgerte, weil es den                    Roman verwässerte. In meiner eigenen eBook Veröffentlichung von Shabu                          habe ich das dann wieder rückgängig gemacht. Mit dem zweiten Krimi                                  (Downtown, verlegt bei Emons) ging es dann aber deutlich schneller.

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Welcher Deiner Charakter war die größte Herausforderung für Dich und warum?

Laurina Hawks (Die Heldin der Simulacron Saga, noch nicht veröffentlicht). Eine Figur, die von einer hübschen rothaarigen Trickbetrügerin aus London zu einer Göttin wird, glaubwürdig zu schildern war sehr herausfordernd. Ich habe                  das auch nicht allein geschafft, denn meine beiden amerikanischen                                        Co-Autoren Nick Hede und Frank Williams III haben einen großen Anteil daran.                  Ich war oft derart verknallt in meine Figur, dass ich dazu tendierte, sie zu                              überhöhen, davor bewahrten mich dann meine Teamkollegen. Heute ist sie                      ein Charakter von epischer Bandbreite und literarischer Höhe, wie vielleicht                       Jeanne D’arc oder Katharina die Große. Sie ist ein gutes Vorbild.

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Und jetzt geht es noch kurz in Richtung Zukunft. Wie sehen Deine Pläne in naher Zukunft aus? Gibt es schon Pläne für ein neues Buch? Oder gibt es bald wieder was von Dir zu hören?

Derzeit arbeite ich immer noch an der Simulacron Saga, mit eben erwähnter Laurina Hawks als Hauptfigur. Dieses als Trilogie angelegte Opus schreibe ich mit zwei amerikanischen Co-Autoren zusammen und es wird zunächst auch                      nur auf Englisch erscheinen. Da wir dieser Tage den ersten Band fertig stellen,                    wird es also bis zur Veröffentlichung noch eine Weile dauern. Gleichzeitig                             schreibe ich an einem alten Projekt namens „Fleurissen“, einem                                              phantastischen Jugendroman über einen Magier und seinen Adoptivsohn.                          Beide verdanken ihre magischen Kräfte einem Quantenunfall vor 5000 Jahren.                  Und dann plane ich noch einen historischen Roman über Daniel Defoe und                        seine (fiktive) Begegnung mit einem sehr sozialen Piraten namens Misson.


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Vielen, vielen Dank an dieser Stelle für das tolle Interview mit Dir! 
Und für Dich lieber Leser gibt alles rund um Rael Wissdorf, seine Bücher und Musikprojekte auf  www.wissdorf.com. Am besten schaust Du gleichmal vorbei.

Die Bücher von Rael Wissdorf

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Stand: 04.09.2015

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